Trump und das gescheiterte Monitoring des Fernsehens: „Trump und das Fernsehen“ (Tagung des SfB Bedrohte Ordnungen und der AG Fernsehgeshichte/Television Studies, 21.- 22.4, Tübingen)

Von Herbert Schwaab

In den letzten Minuten der politischen Satire A Face in the Crowd von 1956 wird der Topos der unfreiwilligen Entlarvung des ‚wahren‘ Charakters einer Fernsehfigur durch das Live-Medium Fernsehen etabliert. Die beim Showabspann stummgeschaltete Tonspur wird wieder aufgedreht und überträgt für ein Millionenpublikum die gehässigen und herablassenden Bemerkungen des sich unüberwacht glaubenden Larry ‚lonsome‘ Rhodes, dessen Karriere in Fernsehen und Politik in den frühen Jahren des Mediums der Film nachzeichnet.

Der Film beschreibt sehr genau, wie ein Country- und Bluessänger seinen rasanten Aufstieg im Fernsehen seiner Fähigkeit verdankt, die durch das Fernsehen ermöglichten, intimen Adressierungsformen zu beherrschen und somit ein Publikum zu erreichen. Er zeichnet auch die politischen Dimensionen dieses Erfolgs nach, wenn der Showmaster zunächst als Polit- und Medienberater einem republikanischen Politiker fernsehgerechtes Auftreten lehrt, später mit einem politischen Variety-Showformat selbst zum Populisten wird und so an seiner eigenen Karriere arbeitet. Der Film deckt als kritische Reflexion eines neuen Mediums, das in den 1950er Jahren dem Kino massiv Konkurrenz machte, auch auf, welche Eigenschaften des Überwachens, der Unmittelbarkeit und der Liveness ihm zugeschrieben wurden. Nur aus diesem Grund, basierend auf Elementen, die heute noch im Fernsehen des Reality TVs eine wichtige Rolle spielen, schafft es das Medium auch die Karriere derer zu zerstören, die es groß macht – zumindest war das bis vor kurzem so. Weiterlesen

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60 Jahre täglich Tagesschau…

… außer sonntags.

Ab 1. Oktober 1956 erscheint die Tagesschau täglich – allerdings noch mit Ausnahme des Sonntags. Erst nach dem 3. September 1961 gab es die Tageschau auch am Sonntag – seit also nun 55 Jahren. Die Form, wie wir sie heute kennen, besteht seit Ende 1960. Die bisherige Trennung in gelesenem Nachrichtenblock (vom NDR Hörfunk geliefert) und 15 Minuten Filmberichte am Stück wurde aufgehoben und man sieht nun den Sprecher im Wechsel mit Filmberichten, MAZ, NiFs – bis heute das Erfolgsrezept. Der Journalist Christian Wulfen von der Oberbergischen Volkszeitung in Gummersbach urteilt im April 1962: Die Tagesschau werde „zunehmend so etwas Aehnliches wie die demokratischen 20 Minuten der Nation.“ Zum Stil schreibt er: Die Tagesschau reiße etwas an und lasse etwas fallen. Die Gewöhnung an diese tägliche Fernsehsendung verbinde aber alle: vom Staatssekretär bis zum „Einfältigen“.

More blogs

Dear colleagues

This week we have three blogs – all about watching television.

Toby Miller’s blog discusses why women’s cricket is responsible for global warming.  Ksenia Frolova
talks about her PhD research into television watching in the family context, Emily Rees talks about
her research into ‚consuming‘ television lifestyle in 50s and 60s Britain.

http://cstonline.tv/women%27s-cricket
http://cstonline.tv/watching-tv
http://cstonline.tv/consuming-television

With CFPs and more.

Best wishes
Kim
<kimakass@hotmail.com>

Unterbrechungen: Jon Stewart und die Politik des Fernsehens

Dieser Post stellt sich die Frage, ob es eine Politik des Fernsehens geben kann, die sich in den Unterbrechungen des Sendefluss manifestiert, in überraschenden Wechseln der Tonlage, in denen das Format nicht das tut, was es normaler Weise tun soll. Häufig wird jedoch die Fähigkeit des Fernsehens, sinnvolle Formen politischer Artikulationen zu liefern, mit dem Hinweis auf die bestimmenden Merkmale des Mediums in Frage gestellt: Das Fernsehen kennt kein Ende und lässt in seinem flow den Menschen unablässig und indifferent seine heterogenen und austauschbaren Inhalte zukommen. Die Identität des Fernsehens ist abhängig von dieser Bedingung des flows, der Auflösung von Einheiten in einem Fluss, der von Übergängen, Vermischungen, Fragmenten und Wiederholungen bestimmt ist, und es so schwer macht, Grenzen zu definieren. Ist es unter diesen Voraussetzungen möglich, politisch zu sein, pointiert eine Kritik an der Welt zu formulieren oder deren Veränderung zu ermöglichen, wenn es immer weiter geht und das Fernsehen eher als Maschine erscheint,  die gesellschaftliche Verwerfungen verarbeitet, um Inhalte für seine Formate zu finden?

Hier soll aber deutlich werden, dass diese Limitation, die Bindung der Formen des Fernsehens an die Ausstrahlung eines Dauersignals, gleichzeitig die Stärke oder Besonderheit des Mediums darstellt. Denn diese Qualität des Fernsehens ist der Grund für die Produktivkraft des Mediums, andere kulturelle Gegenstände wie die vielfältigen Variationen des Seriellen, der Show, der Reality Formate hervorzubringen. Und es markiert den wichtigsten Unterschied zum Internet und digitalen Medien, auch wenn die digitalen Übertragungswege des Fernsehens viele, aber nicht genug Einwände gegen eine Einsicht formulieren, dass das Fernsehen noch von diesem flow bestimmt ist.

Dass es diesen Fluss gibt, macht die Frage nach der Möglichkeit, ihn zu unterbrechen, erst interessant. Nur was fließt kann auch versiegen. Der Fluss ruft die Unterbrechung als (unwahrscheinlichen) Fall auf, und genau hier lässt sich eine besondere Form der Inszenierung politischer Momente im Fernsehen anschließen.  Lorenz Engell betont mit dem Konzept der Enden des Fernsehens eine besondere Zeitlichkeit des Fernsehens, wenn beispielsweise in Extremsituationen wie dem 11. September die Identität des Fernsehens auf dramatische Weise greifbar wird, weil der Sendefluss eine Unterbrechung zu finden droht. Die Unterbrechung muss aber nicht immer von Außen diktiert werden. Eine Politik des Fernsehens kann auch bewusst mit dieser Unterbrechung arbeiten, vielleicht auch kokettieren, um auf intensive Weise eine politische Botschaft zu vermitteln. Eine solche Unterbrechung findet sich, als Jon Stewart in The Daily Show, der demnächst seine Tätigkeit in diesem Format einstellen wird, im Juni 2015 auf die Ermordung von 9 AfroamerikanerInnen  in einer Kirche in Charleston durch einen weißen Rassisten reagiert:

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Die Methodenvielfalt der Medienwissenschaft

Die theoretischen Ansätze für ein neues Forschungsvorhaben im Bereich Medienwissenschaft sind meist klar und sicher – die Methode scheint es weniger zu sein.

Im Workshop der AG Fernsehgeschichte und Television Studies am 10. April 2015 haben wir aber festgestellt: Die Medienwissenschaft – der man allgemein eine ‚Methodenlosigkeit‘ unterstellt – kennt viele Methoden. Jedenfalls ist eine beeindruckende Vielfalt aus den Beiträgen aus aktuellen fernsehwissenschaftlichen Projekten und den Diskussionen erkennbar geworden. Und damit hat sich außerdem gezeigt, dass sie legitim, erklärbar und nachvollziehbar sind.

Im Workshop wurden genannt und teilweise neu am jeweiligen aktuellen Untersuchungsgegenstand definiert:

  • Collagen/Videomaterial-Analyse
  • Diskursanalyse
  • Dispositivanalyse
  • Empirisches Vorgehen (z.B. Leitfadeninterviews)
  • Exploratives Vorgehen
  • Filmanalyse (hermeneutisch), z.B. als ‚Momentanalyse‘ (nur ein kleiner Teil eines Films wird analysiert)
  • Ich-bezogenes Interpretieren und filmphilosophische Beschreibungen
  • Kontextanalyse (als notwendiger Bestandteil, der kaum noch auffällt)
  • Produktanalyse
  • Prozessanalyse
  • Schematisches Vorgehen bei der Analyse + Offenheit für begründete Ausnahmen
  • Textanalyse (wird meist als Standard betrachtet und daher kaum erwähnt)

… und verschiedenste Kombinationen …

Eine klar zu benennende  Methode wird von DFG-Gutachtern eingefordert. Um so wichtiger ist es, den medienwissenschaftlichen Vorgehensweisen einen Namen zu geben – sowie den eigenen Arbeitsstil  zu begründen und darzulegen. Wie das gehen kann, hat der Workshop gezeigt.

Das Alpenpanorama: An den Rändern des Fernsehens

In einem Artikel der Zeitung Standard vom 7.Dezember 2014 wird die Beliebtheit des sogenannten ’slow tv‘ in Norwegen angesprochen. Dabei handelt es sich um  ‚entschleunigte‘ Programme, das zur Nachtzeit oder am Morgen gesendet werden, etwa endlose Bahnfahrten aus Sicht der Führerkabine oder flackernde Kaminfeuer. Zu den Programmen, die die norwegischen Zuschauer des Senders NRK besonders begeistert habe, gehöre unter anderem die Stricknacht, die das Stricken eines Pullovers von der Schafschur bis zur Vollendung begleitete, oder ein Programm, dass ein Blaumeisenpaar bei Brutvorgang und Aufzucht der Vögelkinder zeigt, in einem Nest, das wie ein menschliches Miniaturwohnzimmer eingerichtet ist. Die Vermutungen, die Doris Priesching in dem Artikel über den Grund für die Beliebtheit dieser gar nicht mal so unaufwendigen Programme nennt, gehen in Richtung einer Sehnsucht des Zuschauers nach Ruhepunkten in einem von einer hektischen Fernsehästhetik geprägten Programm. Dieser Artikel will auf ein Programm verweisen, das solche Ruhepunkte bietet: Wenn ich ausnahmsweise bereits am Morgen den Fernseher anschalte, bleibe ich immer hocherfreut am Alpenpanorama des Senders 3Sat hängen, der die Webcambilder von Skigebieten überträgt. Bei schlechtem Wetter ist nur Schnee, Nebel und eine einsam durch das Bild laufende und bald im Nebel verschwindende Gondel eines Aufstiegshilfe zu sehen, traurig hängen ein paar Tropfen geschmolzenen Schnees auf dem Bildschirm. Die Kamera schwenkt gemächlich das häufig unsichtbare Panorama der Übertragungspunkte ab. Informationen, die Auskunft über den Ort, die Höhe, die Temperatur geben, sind am unteren Bildrand zu erkennen. Da das Programm von 7h30 bis 9h läuft, handelt es sich um eine unheimliche Welt ohne Menschen. Traditionelle, erträgliche, langsame Volksmusik, mit Zither, Bläsern und Akkordeon erinnert daran, dass es einmal ein Skifahren als edlen Sport ohne Alkoholexzesse und stumpfen Schlagertechno gegeben hat.

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„Nur weil wir keine Ausbildung haben…“. Die Lassie Singers und das Dschungelcamp (mit einem Postscriptum)

Es ist unvermeidlich, dass sich ein Blog zum Fernsehen auch dieses Jahr mit dem RTL-Format Holt mich hier rau, Ich bin ein Starbeschäftigt. Denn es ist das Format, das auch die Fernsehkritik beschäftigt. Kein anderes Format produziert oder provoziert so viel Kritik in den Feuilletons der großen Zeitungen und ihren Online-Ablegern. So bedauert Jonas Leppin auf Spiegel Online in seiner Kritik vom 22.1.2015 (http://www.spiegel.de/kultur/tv/dschungelcamp-2015-joern-schloenvoigt-ist-der-star-der-sendung-a-1014241.html) die mangelnde Qualität der Kandidaten, die ihm zu nett sind, und behauptet, dass RTL diesmal bei ihrer Auswahl daneben gelegen habe.

Am Tag davor überliefert uns Arno Frank in einer seltsam deskriptiven Kritik, die vorwiegend auf Zitaten der KandidatInnen basiert, wenigstens den herrlich hellsichtigen Satz von Sara Kulka: „Hätten wir was studiert, dann säßen wir jetzt hinter der Kamera und würden Schokolade essen.“ (http://www.spiegel.de/kultur/tv/dschungelcamp-2015-patricia-blanco-zeigt-ihren-silikonbusen-a-1013916.html). In dem Song Hamburg, einem der schönsten Songs der 1990er Jahre hatte das die Band Lassie Singers (ohne die es Tocotronic und vieles mehr in der deutschen Popkultur niemals gegeben hätte) auf eine ähnliche Weise bereits formuliert: „Nur weil wir keine Ausbildung haben, machen wir den ganzen Scheiß.“ (https://www.youtube.com/watch?v=SQYwtnewEiI).

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Landauer, der Präsident: Degetos kleine Spielfilmimitationen

In einer fernen Fernsehvergangenheit gab es den Begriff des Fernsehspiels für abgeschlossene, nicht serielle fiktionale Fernsehforrmate, heute ist der Begriff Fernsehfilm gebräuchlicher. Beim Sender ARD werden solche Werke an einem Tag der Woche gar unter die Rubrik „Filmmittwoch im Ersten eingeordnet“. Genrebegriffe im Fernsehen sind überaus beliebig und es ist wenig produktiv sich damit länger zu beschäftigen. Allerdings sagen sie viel darüber aus, wie die Sender selbst ihre Programme positionieren wollen und an welchen Vorbildern sie sich orientieren. In der amerikanischen Version des Fernsehspiels, dem sogenannten „Made-For-TV-Movie“ war das immer deutlich gewesen: Es sind spielfilmartige Erzählungen, deren Ästhetik allerdings, etwa durch die exzessive Verwendung der Großaufnahme oder durch eine Betonung melodramatischer Momente vor den Werbepausen, den Bedingungen des Fernsehen angepasst sind, und die mit einen wesentlich kleineren Budget auskommen müssen und daher anders als der Film häufig auf Außenaufnahmen oder Massenszenen verzichten müssen. Ein weiteres Merkmal des „Made-for-TV-Movie“, der in den 1970er und 1980er Jahre seine Blütezeit hatte, ist die thematische Bindung an gesellschaftlich brisante Themen wie Drogensucht, Behinderung oder eheliche Gewalt, die einem im Gegensatz zur Serie einmalig gezeigten Programm, das sich nicht sukzessive eine Zuschauerschaft bilden konnte, eine größere Aufmerksamkeit verschaffen sollen.

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Community TV – Transparent auf amazon

Vor etwa einem halbem Jahr meinte Zackary Drucker beim Lunch sie müsse jetzt zu einem Termin zu Paramount, sie würde als Transfrau die Produktion einer Fernsehserie beraten. Nun nur wenige Monate später ist die erste Staffel der von amazon produzierten Serie „Transparent“ schon raus, Zackary und ihr ebenfalls transsexueller Partner Rhys Ernst sind im Laufe des Produktionsprozesses zu associate producers geworden, Rhys Ernst ist zudem für das wirklich hübsche Design der Titles verantwortlich.

Die Hauptrolle spielt der wahrscheinlich am ehesten aus „Arrested Development“ bekannte und dafür mit einem Emmy ausgezeichnete Jeffrey Tambor als Maura Pfefferman, die ihr Leben in einer Männerrolle als Universitätsprofessor, Ehemann und Vater von drei Kindern verbrachte und sich erst spät, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, als transgender outet. Angesiedelt ist die Story in der oberen Mittelschicht, die Familienmitglieder leben verstreut in Häusern in Los Angeles, die sich tatsächlich kaum jemand leisten kann. Immerhin wird erwähnt, dass die Pfeffermans eine der ersten jüdischen Familien in den Pacific Palisades waren. Maura zieht aus dem Familienhaus in ein Apartmentkomplex, in dem vor allem andere Transfrauen wohnen, u.a. seine beste Freundin, eine Latina.

Wenn transgender-Aktivistinnen eine Fernsehserie mitproduzieren, achtet man natürlich umso mehr darauf, wie repräsentativ die Rollen verteilt sind, welche Minoritäten vorkommen und wie sterotyp sie dargestellt werden. Von daher war ich schon etwas enttäuscht von den gewohnten Bildern eines oberen weißen Mittelschichtsambiente, das zwar hier nicht weiß und unmarkiert ist, sondern partikular jüdisch, aber die Besetzung ist dennoch nicht sehr divers. Von der transgender community wurde jedoch vor allem bemängelt, dass die Hauptrolle nicht mit einer Person besetzt wurde, die selbst transgender ist. Deshalb wird nun nach transweiblichen Autorinnen für die zweite Staffel gesucht, auch über facebook, wo ich ansonsten sehr positive feedbacks zur Serie gelesen habe. Dabei ist die Serie aus meiner Sicht sehr stark Plädoyer für Toleranz, auch wenn sie den MacherInnen zufolge gerade nicht pädagogisch sein soll und transgender nicht allein über dieses Merkmal definieren, aber dieser Anspruch ist natürlich auch schon ein aufkläerischer. Maura ist allerdings nicht die einzige, deren sexuelle/geschlechtliche Identität sich bewegt, die ältere Tochter verlässt ihren Mann und heiratet eine lesbische Jugendliebe, die jüngere Schwester hat eine Affäre mit einem Transmann. Der jüngste Sohn vertritt die konservativste Position, der das outing seines Vaters damit kommentiert, dass jeder hinter verschlossenen Türen tun kann, was er will, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit.

Wenn Jill Soloway als creator und amazon studios als Produzent nun für die zweite Staffel nach „authentischeren“ Autorinnen sucht, ist dies eine direkte Antwort auf Publikumskritik und scheint damit Utopien einer unmittelbaren Einflussnahme und Partizipation des Publikums auf die Produktion zu bestätigen. Dementsprechend wurden die Möglichkeiten die Plattformen wie netflix und amazon bieten, von Jill Soloway mit dem arabischem Frühling verglichen: „The socialist in me welcomes the kind of democratization these platforms are bringing to our creative community and the viewing public. I feel like I’m part of this creative revolution, like an Arab Spring, but let’s call it an Auteur T.V. Spring—sweeping across the land.“[1] Das mag zwar ein ziemlich unpassender Vergleich sein, und auch der Ausdruck Autorenfernsehen mag nicht ganz auf diese Teamproduktion zutreffen, aber netflix und amazon geben wohl größtmögliche Freiheiten, mit unterschiedlichen Ergebnissen wie „House of Cards“, „Orange is the New Black“ und eben „Transparent“, zumindest die letzteren beiden haben „trans“ zum „New Normal“ gemacht (der NBC-Serie über schwule Väter) und community-Mitgliedern aus Los Angeles zu ein paar Arbeitsplätzen in transfreundlichen Arbeitsbedingungen verholfen, wie Zackary und Rhys betonen.

[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Transparent_%28TV_series%29.

Disco, ZDF und die Fernsehkultur

Mit dem Begriff der TV-Culture und dem gleichnamigen Titel seines Buches zum Fernsehen, machten John Fiske und mit ihm auch die Cultural Studies in den 1980er Jahren ein für allemal deutlich, dass Fernsehen ein Teil der Kultur ist, dass es nicht notwendig ist, zu unterscheiden und nur ein Fernsehen, das hochkulturellen Ansprüchen genügt, in den Bereich der Kultur einzuordnen. Die im Zeitalter des Post-TV verursachte Vervielfältigung der Sender, bei der die großen Sender eine immer größer werdende Schar von Sendekindern um sich versammeln, scheint dafür zu sorgen, dass diese Erkenntnis mittlerweile auch beim Fernsehen selbst ankommt. Der Sender ZDF-Kultur ist die perfekte Plattform für eine Auseinandersetzung mit der TV-Kultur. In seiner unkommentierten Ausstrahlung von alten Fernsehsendungen unter dem einfachen, aber auch widersprüchlichen Label Kult, erkennt das öffentlich-rechtliche Fernsehen an, dass es eine Fernsehkultur gibt. Durch die alltägliche Ausstrahlung alter Fernsehshows auf bestimmten Programmplätzen findet dabei so etwas wie eine Serialisierung von Nostalgie statt, die nicht nur eine alte Fernsehshow als Kuriosität in den Blick nimmt, sondern auch in einen vergangenen Fernsehalltag zurückführt und Aspekte des ursprünglichen Rezeptionskontextes aufscheinen lässt. Die Sendung Disco in der (relativ) leeren Zeit von 19h30 bis 20h15 zu schauen ist aus diesem Grund für mich fast so etwas wie eine Gewohnheit geworden. Diese Rezeption von Disco erinnert mich unmittelbar an meine Kindheit, als ich solche Programme nur deswegen sah, weil nichts anderes lief. Gefallen hat mir die Sendung genausowenig wie etwa die Hitparade, aber darum ging und geht es ja noch immer nicht beim Schauen von Fernsehen. Dadurch begegnen wir nicht nur einer fernsehhistorischen Absonderlichkeit, sondern dem Fernsehalltag selbst. Weiterlesen